Eberhard Thieme: „Mehr Begegnung, um schmerzfrei über Neubau nachzudenken.“

Kurz-Interview anlässlich des Gemeindeabends zur möglichen Ansiedlung der Syrisch-orthodoxen Gemeinde in Grünau: Perspektive von Pfarrer Eberhard Thieme. Weitere Interviews hier.

Pfarrer Eberhard Thieme

Herr Pfarrer Thieme, nachdem sich die Markranstädter Kirche als Option zerschlug, hat der Pfarrgemeinderat eine Ansiedlung hier bei uns befürwortet. Wie finden Sie das? 

Der PGR, zu dem ich ja auch gehöre, hat sich von dem Gedanken leiten lassen: Der syrisch-orthodoxen Gemeinde muss unbedingt geholfen werden. Und wenn wir schon eine große Wiese haben, mit einer Ecke, die nicht gebraucht wird: Warum sollten wir dann nicht – im Sinne des Hl. Martin – miteinander teilen?!

Der PGR unterstützt das Neubauvorhaben beinahe einstimmig. Erleben Sie Ihre Gemeinde auch so wohlwollend oder ganz anders?

In der Gemeinde bläst ein kräftiger Gegenwind. Es geht hier keineswegs um Fremdenhass, um das einmal ganz deutlich zu sagen. Wohl aber um Angst vor dem Unsicheren, sowie um alternative Konzepte für unsere Außenanlagen.

Andernorts gab es große Skepsis, sogar Anfeindungen. Können Sie das verstehen?

Wer die syrisch-orthodoxen Christen nicht kennt, geht davon aus, dass uns in ihnen eine völlig disparate Kultur begegnet. Das schafft natürlich Ressentiments. Wer aber diese Christen kennenlernt, wird merken, dass sich beide Kulturen sehr gut vertragen. Umso wichtiger ist es, dass es zu mehr Begegnungen zwischen der syrisch-orthodoxen Gemeinde und uns kommt. Erst dann kann schmerzfrei über einen Kirchenneubau nachgedacht werden.