[Gemeindeabend] Nachbericht und Leserbriefe

Mit sehr emotionalen Diskussionsbeiträgen haben sich gestern (1. Februar) Gemeindemitglieder von St. Martin über einen möglichen Kirchenneubau zugunsten der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Severus auf dem eigenen Grundstück ausgetauscht. Der Abend war vom Pfarrgemeinderat angesetzt worden, nachdem ein erstes Gespräch mit der Stadtverwaltung darauf hindeutete, dass ein Neubau unter bestimmten Bedingungen genehmigungsfähig wäre. Zum Diskussionsabend kamen rund 150 Interessierte, darunter auch Mitchristen aus der evangelischen Paulusgemeinde, aus den anderen katholischen Gemeinden im Leipziger Westen und aus der syrisch-orthodoxen Gemeinde selbst.

Podium mit Befürwortern, Kritikern und Bauherren

In einer ersten Runde kamen als Podiumsgäste Günther Fitzl (PGR-Vorsitzender), Eberhard Thieme (Pfarrer), Andreas Knapp (Kleiner Bruder, Unterstützer des Bauvorhabens), Saliba Toutounji (St. Severus), die Gemeindemitglieder Edmund Priske und Matthias Wirth sowie die in beiden Gemeinden bekannte Haya Ghassali zu Wort und stellten ihre Positionen vor, die in ähnlicher Weise auch in einer Online-Interviewserie nachzulesen sind. Weiterer Podiumsgast war Bettina Schöbel, es moderierte Kai-Uwe Socha (Oratorium). Zur Versachlichung in einer bisweilen hitzigen Auseinandersetzung trugen Präsentationsfolien über Herkunft und Situation der syrisch-orthodoxen Kirche bei.

„Das ist der falsche Ort!“ – „Wo, wenn nicht hier?“

Anschließend wurde die Runde für Wortbeiträge aus dem Publikum geöffnet, ein offensiver Schlagabtausch folgte. Zu registrieren war eine klare Bildung von Lagern, wobei die Kritiker des Vorhabens – gemessen an Redebeiträgen samt Zustimmung durch Applaus –deutlich in der Mehrheit waren. Es zeigte sich damit eine deutliche Gegenposition zum Votum des PGR im Herbst, der das Bauvorhaben beinahe einstimmig begrüßt hatte. Kritik am Pfarrgemeinderat gab es auch in Bezug auf dessen Informationspolitik. Den Vorwürfen (Intransparenz, vorweggenommene Entscheidung) konterte PGR-Vorsitzender Günther Fitzl mit Verweis auf PGR-Berichte und tatsächliche Faktenlage. Im Saal herrschten unverkennbar sehr unterschiedliche Kenntnisse und Auffassungen von den Rechten und Pflichten der verschiedenen Gremien.

Wesentliche Konfliktlinien in der Debatte:

  • die Relevanz des konkret zur Überlassung geplanten Grundstücksteils am und hinter dem Erdhügel („Diese 900 Quadratmeter hat lange niemand mehr betreten” – „Die Wiese ist hochfrequentiert, wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Zentimeter wegzugeben“)
  • die Optionen Kirchenneubau gegen Mitnutzung
  • finanzielle Fragen („Wir brauchen das nicht, St. Martin hat auch geteilt“ – „Das Grundstück ist 400.000 Euro wert und wir haben nichts zu verschenken“)
  • die Verantwortung für die Mitchristen („Unser Grundstück ist der falsche Ort“ – „Wo, wenn nicht hier?)

Als unstrittig galt, dass ein Neubau für Unruhe und Anfeindungen im Stadtteil und in der direkten Nachbarschaft sorgen würde. Unterschiedlich war allerdings die Auffassung darüber, ob diese Last „eben zu tragen sei“ oder lieber nicht.

Die Informationsveranstaltung endete nach rund 2,5 Stunden, die Auswertung durch den PGR erfolgt in einer Sondersitzung am 26. Februar. Wer den Gemeindeabend verpasst hat, findet online eine Informationsbroschüre.

Erster Leserbrief eingegangen – weitere hier möglich

Bereits am Folgetag erreichte die Web-Redaktion ein Leserbrief, den wir hier veröffentlichen. Derzeit geprüft wird, ob auch ein Aushang im Foyer erfolgt. Weitere Zuschriften sind gern gesehen.  Briefe können natürlich auch ohne Freigabe zur Veröffentlichung an den PGR gesendet werden. [Update 3. Februar: Die Pinnwand im Foyer steht. Veröffentlichungswillige Einsender können entscheiden, ob ihre Zuschrift auch dort oder nur dort erscheinen soll.]  

#01
Frank Fojtik, Lektor in St. Martin: „Den Eingeladenen auf Augenhöhe begegnen“

Die Informationsveranstaltung hat mir gezeigt, mit welcher Emotionalität nur die Idee der Ansiedlung einer syrisch-orthodoxen Gemeinde in Leipzig behaftet ist und in welch hitzigem, teilweise unsachlichem Tonfall – interessanterweise ausschließlich von deutscher Seite – argumentiert wird. Ich möchte daher auf einen ganz nüchternen Punkt hinweisen, der in den gegenwärtigen Diskussionen etwas unterzugehen scheint.

Die syrisch-orthodoxe Gemeinde ist nie als „Bittsteller“ aufgetreten, sondern EINGELADEN worden, um etwaige Möglichkeiten eines Kirchenneubaus zu diskutieren. Sie sollte daher auch so behandelt werden, also mindestens ganz objektiv und nüchtern wie in der freien Wirtschaft als potenzieller Interessent oder „Geschäftspartner“. Egal, ob man sich in Zukunft nun für oder gegen ein derartiges Projekt ausspricht, sollte dies deswegen immer auf Augenhöhe geschehen.

Eine Befürwortung ausschließlich aus der Motivation heraus, den „Armen“ zu helfen und ihnen (im paternalistischen Sinne) die Brotkrumen vom Tisch der Wohlhabenden zukommen zu lassen, wäre daher meines Erachtens ebenso falsch wie eine Ablehnung aus Angst vor Veränderung oder „Verlust“ eines Grundstücks.

#02
Andreas Pilz, Gemeindemitglied in Lindenau: „Als wäre der PGR eine einsame Insel inmitten der Gemeinde“

Ich hatte mich bisher nicht allzu viel mit dem Thema beschäftigt, so dass ich eigentlich unbefangen den Abend besuchte. Die gute Moderatorenleistung sei nur am Anfang erwähnt.

Gut fand ich

  • die klare, offene und sachliche Schilderung des PGR-Vorsitzenden zu den bisherigen Tätigkeiten des PGR,
  • die Möglichkeit, dass alle Seiten, sowohl die Befürworter als auch die „Naja..vielleicht geht es auch anders“-Fraktion oder die ablehnende Seite, zu Wort kamen und
  • die Möglichkeit, dass die syrischen Christen ihre Gedanken gleichberechtigt vortragen konnten.

Nachdenklich gemacht hat mich:

  • Zwischen dem PGR und den meisten anwesenden Gemeindemitgliedern scheinen sehr große Meinungsdifferenzen zu sein…(dies konnte man bei kritischen Bemerkungen zur PGR-Tätigkeit an der Beifallstärke sehr gut festmachen).
  • Es waren keine oder kaum unterstützende Beiträge von den Anwesenden zur Haltung des PGR zu verzeichnen. Zeitweise entstand bei mir das Bild, dass hier der PGR inmitten der Gemeinde eine einsame Insel ist.
  • Ich habe mich nach Abschluss des Abends gefragt, ob die syrischen Christen sich jetzt mit dem Wunsch nach einer eigenen Kirche in der Gemeinde jetzt noch willkommen sehen.
  • Schade, dass auch nicht klar benannt wurde, dass die syrischen Christen die evangelische Taufe nicht anerkennen. Und dies auch ein Grund des Scheiterns ist, auf dem Grundstück der evangelischen Paulusgemeinde eine Kirche für die syrische Gemeinde zu bauen. Dafür können die handelnden Gemeinden hier eigentlich gar nichts. Es ist eher ein Fluch, dass diese Differenzen der „höheren Ebenen“ so stark nach „unten“ wirken.
  • Hier möchte ich mich den Worten des anwesenden Propst Gregor Giele anschließen, sinngemäß: „Wir reden hier nicht von Flüchtlingen, sondern von Schwestern und Brüdern.“ Davon habe ich an diesem Abend nicht sehr viel wahrgenommen. Aber vielleicht müssen wir erkennen, dass unsere Gemeinden ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sind.

Dann wäre jetzt nur noch zu prüfen, wie wir, christlich gesehen, mit Schwestern und Brüdern umgehen, wenn sie Hilfe benötigen, wir aber Ängste vor dem Ergebnis haben. Vielleicht lohnt es sich doch noch, möglichst gemeinsam darüber nachzudenken.

Vielleicht wäre es gut, wenn wir „Lindenauer“ mit in diese Gemeinsamkeit einbezogen werden, da wir ja auch die Flächen mitnutzen. Es wäre ein weiterer Schritt, miteinander schwierige Aufgaben zu bedenken und zu lösen. Auf dass wir eine zueinanderhaltende, offene und unseren Reichtum teilende Seelsorgeeinheit werden.

#03
Stephanie und Lukas Uhl, Gemeindemitglieder von St. Martin: „Zum Kirchenneubau der syrisch-orthodoxen Gemeinde“

Sehr geehrte Mitglieder des Pfarrgemeinderates,

da es zum Gemeindeabend doch sehr emotional und manchmal nicht sehr konstruktiv vorging, möchten wir Ihnen gerne mit Hilfe dieses Briefes unsere Meinung zu der Möglichkeit des Kirchenneubaus mitteilen, da zum Gemeindeabend natürlich nicht jeder sprechen konnte.

Zunächst ist es wirklich wichtig unseren Mitchristen zu helfen, jedoch sollte dafür ein geeignetes Mittel gewählt werden. Unserer Meinung nach sollte es nicht überstürzt werden und es ist nicht das geeignete Jahr dafür, um so ein Großprojekt anzugehen, da die Neugründung der Pfarrei Philipp Neri bevorsteht.

Viele Argumente, die für den Kirchenbau sprechen, ergeben in unseren Augen wenig Sinn, widersprechen sich teilweise in den Aussagen der Befürworter oder sind emotional. Hierfür gibt es ein paar konkrete Beispiele:

  • Der syrische Priester muss im Pfarrhaus wohnen bzw. braucht ein eigenes Büro.“ 
    In St. Martin im Pfarrhaus oben könnte die Wohnung renoviert und für den syrischen Priester eingerichtet werden. Die Kaplanswohnung steht schon seit Ewigkeiten leer und wäre ein geeigneter Büroraum.
  • „Eine Pacht bei der evangelischen Gemeinde ist nicht möglich, da man sich nicht für mindestens 80 Jahre mit dem Grundstück verpflichten möchte.“
    Ein Bau einer Kirche ist, denken wir, eine große Verpflichtung an sich und wir hoffen, dass diese nicht schon nach 10 Jahren wieder verlassen werden würde.
  • „Die syrischen Kinder und Jugendlichen könnten mit unseren Kindern und Jugendlichen zusammen Vorjugend, Kindergruppe etc. betreiben.“
    Bruder Andreas hat gesagt, dass die Leute nicht nur aus unserem Stadtteil, sondern auch von weiter her kommen (Dresden, Halle, usw.) und dass das Kommen schwierig wäre, wenn sie kein eigenes Haus oder eigene Messe hätten. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Eltern ihre Kinder und Jugendlichen in der Woche von Dresden nach Leipzig bringen?  
  • Haya sagte im Interview, dass eigene Räume benötigt werden, damit es keine Überschneidungen mit der St.-Martins-Gemeinde gibt. Bruder Andreas sagte hingegen in seinem Interview, dass ohnehin die normalen Räume von St. Martin mitbenutzt werden müssten.
  • Zum Gemeindeabend erwähnte Bruder Andreas noch, dass es schwierig werden würde, einen gemeinsamen Plan zu schaffen, wenn die syrisch-orthodoxen Messen wöchentlich stattfinden würden (Zeiten, Organisation). Es gar nicht erst auszuprobieren und stattdessen einen viel aufwendigeren und komplizierteren Weg zu gehen, ist keinesfalls sinnvoll. Die Kirche könnte theoretisch später immer noch gebaut werden.

Es gibt noch mehr Punkte, die man hierzu aufzählen könnte.

Generell möchten wir hier noch einmal auf die Organisation des PGR eingehen.
Viele Mitglieder der Gemeinde, wie man auch bei der Informationsveranstaltung gemerkt hat, fühlen sich nicht informiert. Der PGR besteht aus gewählten Mitgliedern der Gemeinde und sollte deshalb transparent handeln. Im Vorfeld wurde die Gemeinde nicht ausreichend informiert und es wäre nötig gewesen, diesen Fehler zuzugeben.
Außerdem hat man das Gefühl, dass der PGR nicht ausreichend an den Meinungen der Gemeindemitglieder interessiert ist. Für eine erste einfache Idee, über die informiert werden sollte, ist vieles schon zu konkret. Hätte man bei der Informationsveranstaltung nur ein erstes Stimmungsbild der Gemeinde abbilden wollen, hätte man aus Respekt vor der syrisch-orthodoxen Gemeinde diese noch nicht eingeladen, um ihnen eine weitere mögliche Enttäuschung zu ersparen. Man hätte unsere Gemeinde von Anfang an fragen können, ob diese Idee weiterverfolgt werden soll, sowie es beim Bischof auch getan wurde. Unserer Meinung nach befürwortet der Bischof nur die Weiterverfolgung, dass unseren syrischen Mitchristen geholfen werden muss, nicht explizit den Bau eines Kirchengebäudes.

Die große Frage ist auch, ob es eine Gemeindeabstimmung zu diesem Thema geben soll? Man hört die Argumente, dass der PGR aus durch die Gemeinde gewählten Vertretern besteht. Jedoch sollte man bedenken, dass so eine Wahl ein anderes Ziel verfolgt, nämlich pastorale Probleme. Das heißt: Für so ein großes Thema darf und sollte der PGR nicht ohne Weiteres verantwortlich sein. Durch eine schlechte Organisation kann die Gemeinde negativ gestimmt werden und das ist jetzt schon spürbar.

Die angesprochene Chance einer Ökumene und einer Gemeinschaft mit den syrisch-orthodoxen Christen muss weder aufgegeben noch verworfen werden. Wir könnten damit eine echte Ökumene erleben, anstatt, wie im Augenblick, zwei Gottesdienste im Jahr gemeinsam zu feiern. Der häufig erwähnte Namenspatron kann vielseitig gedeutet werden. Muss Teilen die Aufteilung eines Grundstückes bedeuten? Kann Teilen nicht viel mehr bedeuten, die vorhandenen Räumlichkeiten zusammen zu nutzen und bereit zu sein, Dinge in unserem Gemeindeleben zu verändern, falls nötig? Ein gut organisiertes Miteinander und Nebeneinander, allerdings in einer Kirche und nicht in einer separaten Ecke, ist doch einen Versuch wert und absolut denkbar. Wir könnten damit unsere Mitchristen auch vor Ausländerfeindlichkeit und Vorurteilen schützen. Sie könnten ihre Messen feiern, ohne extremes Aufsehen in der Umgebung zu erzeugen und würden Frieden, Ruhe, Geborgenheit und damit das beliebte Wort ,Heimat’ finden.

#04
Beate Mamsch, Mitglied des PGR und des Kirchenrates: „Schwierige Entscheidungen erfordern viel Mut.“

Für mich bedeutet Mitglied einer christlichen Gemeinde zu sein, dass man zusammen Gottesdienst feiert, sich für die Gemeinde ehrenamtlich engagiert und füreinander sowie genauso für den Nächsten außerhalb unserer Gemeinde da ist.

Ich verstehe die Angst, die Ansiedlung der syrisch-orthodoxen Gemeinde auf unserem Gelände könnte Anlass für Anfeindungen und Vandalismus geben. Aber ich denke, dass das Risiko viel geringer ist als dort, wo viele Menschen verschiedener Glaubensrichtungen und Kulturen aufeinander treffen.
Niemand kann sagen, was passieren wird, aber manchmal braucht es auch Mut, um das Notwendige zu tun, das aus christlicher Nächstenliebe geboten ist.

Mich beeindruckt der tiefe Glaube der syrisch-orthodoxen Christen, die Verfolgung und Folter auf sich nehmen mussten und jetzt Wege bis zu 150 Kilometer in Kauf nehmen, um zum Gottesdienst zu kommen. (Für viele von uns ist es schon bis Lindenau zu weit.) Seit Jahren sind sie nicht zur Ruhe gekommen und wir haben Angst – ich nehme mich da nicht aus – vor der Unruhe, die durch Baugeschehen und Ansiedlung auf uns zukommen würde.

Ich muss in ein paar Monaten ,nur’ meine Wohnung aufgeben und mein persönliches Wohnumfeld, in dem ich mich seit 33 Jahren zuhause fühle. Ich muss nicht das Land verlassen und nur in ein anderes Wohngebiet ziehen – und selbst das fällt mir schon schwer. Ich bin sehr froh, dass ich wieder eine eigene Wohnung haben werde, die ich so einrichten kann wie ich möchte. Und ich bin froh, dass ich nicht auf die Großzügigkeit eines Bekannten angewiesen bin, den ich fragen muss, wann ich Küche und Bad benutzen oder Freunde einladen darf.

Wir haben die Möglichkeit, der syrisch-orthodoxen Gemeinde zu helfen, sich wieder ein eigenes Zuhause zu schaffen. Nutzen wir sie, seien wir mutig!

Ich würde mir wünschen, dass eine Mehrheit dafür zustande kommt. Und falls wir uns für die Mitnutzung unserer Kirche und Räume entscheiden, dass wir uns christlich verhalten und uns nicht um Nutzungszeiten und ähnliches streiten. Denn das Risiko dafür ist größer, als wenn jeder seinen eigenen Rückzugsort hat.

Falls sich die syrisch-orthodoxen Christen nach dem heftigen Gegenwind am letzten Freitag nicht zu sehr unwillkommen fühlen und sich weiter um ihr Anliegen bemühen, zeigt es einmal mehr, wie wichtig ihnen ihre Herzensangelegenheit ist, gemeinsam ihren Glauben nach ihrer Tradition zu leben.

#05
Bruder Andreas Knapp, Gemeindemitglied:„Integration sollte nicht heißen, seine Identität aufgeben zu müssen“

Ich habe mich von Anfang an – und auch bei der Gemeindeversammlung – immer um eine möglichst sachliche Diskussion bemüht. In diesem Sinne ein paar Überlegungen:

1. Mitnutzung von St. Martin durch die Syrisch-orthodoxe Gemeinde

Wie am 1. 2. sehr ausführlich dargelegt wurde, ist das Gemeindezentrum sehr oft belegt. Dies wird sich in Zukunft wahrscheinlich noch verstärken, weil die Gemeinde Liebfrauen weder über eine Grünfläche noch über einen großen Saal verfügt. Dass in diesem Gemeindezentrum zusätzlich eine weitere Pfarrei mit eigenem Pfarrer ein Gemeindeleben entfalten kann, erscheint mir sehr unrealistisch.

Die syrisch-orthodoxe Gemeinde möchte auch Kinder und Jugendlichen aus der ,Diaspora’ (Verstreuung) sammeln – und das ist z. B. am ehesten samstags möglich. Gerade samstags aber gibt es oft Veranstaltungen, wodurch Saal und Küche/Gruppenräume belegt sind.

2. Wohnung für den syrisch-orthodoxen Pfarrer

Die Idee, dass der syrisch-orthodoxe Pfarrer im Pfarrhaus wohnen kann, haben wir schon lange im Blick. Es braucht aber zusätzlich ein Büro und Sprechzimmer, auch als Raum für Bücher (eine kleine Bibliothek für die aramäische Sprache) und Material.

3. Eine gewisse Autonomie für die syrisch-christliche Gemeinde

Realistisch erscheint mir, dass die syrisch-orthodoxe Gemeinde ein Gebäude errichtet, das eine gewisse Autonomie erlaubt (Gottesdienst- und Versammlungsraum, Küche, Toiletten und Büro-/Sprechzimmer). Dazu kommt, dass der Gottesdienstraum dann für die syrisch-orthodoxe Liturgie angemessen ausgestattet werden kann.

Zugleich aber werden auch z. B. Gruppenräume von St. Martin mitgenutzt – und bei größeren Gottesdiensten (im Ausnahmefall) auch die Kirche von St. Martin. Es sollte also nur das Notwendigste gebaut werden. Wenn beide Gemeinden eine gewisse Selbständigkeit haben, kann eine Partnerschaft gut gelingen.

4. Bau mit Erbpacht?

Eine hohe finanzielle Verpflichtung auf 80 Jahre (Erbpacht) stellt ein großes Risiko dar, weil die syrisch-orthodoxe Gemeinde (40 Familien, davon viele in prekärer finanzieller Situation) auch ihren Priester und den Unterhalt ihrer Räume aus der eigenen Tasche (Kollekten) zahlen muss.

Natürlich weiß niemand, ob diese Gemeinde in 10 Jahren noch existiert. Aber die Treue zu ihrer Kirche und Tradition ist derart groß, dass diese Kirche fast 2000 Jahre Unterdrückung und brutalste Verfolgung ausgehalten hat. Und genau dies stellt für die Überlebenden eine Verpflichtung dar: Wir möchten unserem Glauben und unserer Tradition, für die unsere Vorfahren – und in jüngster Zeit sogar Väter, Mütter, Brüder und Kinder ermordet wurden – treu bleiben. Von daher ist die syrisch-orthodoxe Gemeinde zuversichtlich, dass sie auch in der nächsten Generation noch bestehen wird.

5. Integration?

Nach meinem Verständnis von Integration sollen die neu Hinzugekommenen nicht ihre Identität aufgeben.

Das hat die Katholische Kirche von Leipzig nicht einmal von den polnischen Katholiken gefordert, die seit 100 Jahren (!) in Lindenau Gottesdienst feiern – und dies in der gleichen Liturgie (vor dem Konzil sogar in der gleichen lateinischen Sprache!). Polen ist ein Nachbarland und uns kulturell nahe. Die aramäischen Christen kommen aus einer völlig anders geprägten Kultur und sind eine eigene Kirche, die älter ist als die Kirche von Rom. Wenn wir Verständnis dafür haben, dass die polnischen Katholiken (und andere „muttersprachliche katholische Gemeinden“) sich nicht in die deutschen Gemeinden ,integrieren’, sollten wir auch den Wunsch der aramäischen Christen zu respektieren versuchen.

Die syrisch-orthodoxe Kirche wurde durch die Vertreibung in den letzten Jahren in eine weltweite Diaspora zerstreut. Eine Reihe von mir bekannten katholischen Diaspora-Gemeinden (die nach den Vertreibungen am Ende des 2. Weltkriegs in Deutschland entstanden sind) zeigten großes Verständnis für den Wunsch nach einer eigenen Kirche, nach eigenen Räumen und einem Stück Heimat.

6. Kooperation

Von Anfang hat die syrisch-orthodoxe Gemeinde von Leipzig betont, dass ihr eine gute Nachbarschaft und Kooperation mit anderen christlichen Gemeinden wichtig ist. Möglichkeiten für Kooperation bieten z. B. die RKW und die Sternsingeraktion (hat sich bereits gut eingespielt) oder gemeinsam gestaltete Gottesdienste und Feste.

In einem solchen Miteinander kann die syrisch-orthodoxe Gemeinde von Leipzig für die katholische Gemeinde St. Martin eine große Bereicherung (nicht im finanziellen Sinne!!) bedeuten.

#06
Haya Ghassali, Dr. Saliba Toutounji, Dr. Naoum Ghassali (Syrisch-orthodoxe Gemeinde St. Severus): „Niemand von uns hatte den Eindruck: Ich habe mich willkommen gefühlt.“

Wir möchten allen, die uns bisher in unserem Anliegen unterstützt haben, von Herzen danken. Der Gemeindeabend am 1. Februar hat uns allerdings gezeigt, dass wir in St. Martin bei vielen Gemeindemitgliedern nicht willkommen sind.

Uns ist es wichtig, einige Punkte klarzustellen:

  • Es war nicht unsere Idee, einen Bau auf dem Gelände von St. Martin zu errichten. Wir wurden eingeladen, diesen Vorschlag, der uns angeboten wurde, zu prüfen.
  • Wir wollten uns nicht mit einem günstigen Grundstück privat bereichern, sondern wir wollen ein Gotteshaus bauen.
  • Wie wollten unsere Beziehungen und Zusammenarbeit mit den Gemeinden St. Martin und St. Paulus intensivieren und ausbauen. Wir hatten eine Vision.
  • Das Grundstück hat eher eine starke Symbolkraft, dass wir willkommen sind und gibt ein deutliches Zeichen der Solidarität. Es ist für uns primär keine materielle Frage.

Von den Mitgliedern unserer Gemeinde kamen nach dem Gemeindeabend folgende Reaktionen:

„Ich dachte, es geht um Religion. Aber es ging ja nur ums Geld.“

„Ich fühlte mich wie ein Mensch, der keinen Wert hat.“

„Ich hatte hinterher das Gefühl, dass mich viele Augen mit Hass anschauen.“

„Die Probleme mit Drogen und Kriminalität, das sind Muslime. Wieso wird gesagt, dass diese Probleme nach St. Martin kommen, wenn wir kommen?“

„Ich kam mir vor wie in einem Gerichtssaal, in dem unser Fall verhandelt wurde.“

„Wir sind doch keine Bettler, die etwas für sich privat wollen. Wir wollen eine Kirche bauen!“

„Wir kennen das, dass man uns verachtet. Aber bisher waren das immer die Muslime, die uns so behandelt haben.“

Niemand von uns allen hatte den Eindruck: „Ich habe mich willkommen gefühlt.“

Allen, die uns in diesem Anliegen verstehen und auch weiterhin unterstützen, sind wir von Herzen dankbar. Besonders danken wir Propst Gregor Giele, weil er daran erinnert hat, dass wir Schwestern und Brüder sind – und der Propst hat unsere Gemeinde auch immer sehr respektvoll und gastfreundlich aufgenommen.

Ein Mitglied unserer Gemeinde sagte: „Wir kommen aus dem Krieg und wurden vertrieben, nur weil wir Christen sind. Wir wollen hier nur eines: Im Frieden Gottesdienst feiern.“

Wenn es Gottes Wille ist, wird er uns eine Tür öffnen.

#07
Johannes Dohmen, Gemeindemitglied in St. Martin: „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie bei Ihrer Zustimmung für das Projekt bleiben würden.“

Sehr geehrte Mitglieder des Pfarrgemeinderates,

am vergangenen Freitag nahm ich an dem Informationsabend zu vorgenanntem Vorhaben [der Kirchenneubau, Anm. d. Redaktion] teil. Ich war sehr überrascht, wie groß doch die Zahl der Mitchristinnen und Mitchristen ist, die mehr oder weniger große Vorbehalte gegen das Projekt vorbrachten.

Deshalb spreche ich mich auf diesem Wege für eine Unterstützung des Projektes aus.

Andreas Knapp hat in seinem Buch „Die letzten Christen“ für mich sehr berührend zwei Sachverhalte geschildert, die aus meiner Sicht in der Diskussion nicht außer Acht gelassen werden sollten.

 Zum einen konnte ich lernen, dass die Sprache der aramäischen Christen, zu denen die syrisch-orthodoxen Christen zählen, bereits von Jesus gesprochen wurde. Damit verbunden ist eine Tradition, die unmittelbarer auf den christlichen Ursprung zurückzuführen ist als die Tradition mancher anderer Kirchen, so auch der katholischen. Kann dies nicht ein sehr wertvoller Beitrag zu einer neuen Art von Ökumene sein? Ich meine ja.

 Zum anderen musste ich mit großer Betroffenheit lesen, wie sehr die aramäischen Christen durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und Irak, besonders durch das unmenschliche Wirken des IS in ihrer Existenz, möglicherweise sogar vom Untergang bedroht sind. Sollte es da nicht unsere christliche Pflicht sein, dazu beizutragen, dass sich die verbliebenen in alle Welt zerstreuten Mitchristen eine neue Heimat schaffen können? Auch hier meine ich ja.

Es wurden am vergangenen Freitag viele Argumente gegen das Projekt vorgebracht. Nicht alle kann ich bewerten oder beurteilen. Wie Pfarrer Giele ist aber auch mir aufgefallen, dass auf der einen Seite dargestellt wurde, wie intensiv Gebäude und Grundstück genutzt würden, womit wohl gesagt werden sollte, dass kein Quadratmeter abgegeben werden könne. Auf der anderen Seite wurde beklagt, dass die bestehenden Angebote z. T. nicht ausreichend wahrgenommen würden und die Räumlichkeiten noch Nutzungsreserven hätten. Hier wäre m. E. eine objektive Sicht auf die Dinge notwendig.

Vielfach wurden auch die Wiese und der Hügel als schützens- oder erhaltenswerter, unverzichtbarer Bestandteil des Gemeindeareals dargestellt. Ich bin der Meinung, dass die Bedeutung dieser Elemente erheblich überhöht wird. Oder würde in einer Situation, in der Wiese und Hügel durch eine Nutzung wie etwa den Bau einer Kita oder einer Sozialstation ersetzt werden sollten ihnen die gleiche Sperrwirkung zugemessen werden? Ich glaube kaum.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie bei Ihrer Zustimmung für das Projekt bleiben würden.

Ein ähnliches Schreiben werde ich an den Kirchenrat senden.

#08
Norbert Schwarzer, Pfarrgemeinderat St. Martin: „Dieser Umgang mit unseren Brüdern und Schwestern beschämt mich sehr.“

Sehr geehrte Mitglieder des Pfarrgemeinderates,

mir scheint es wichtig, noch ein paar Gedanken zum eigentlichen, ernst zu nehmenden Gegenargument der „Integration“ zu äußern.

Integration lässt sich nicht losgelöst vom Begriff der „Heimat“ definieren, denn das eine bedeutet die Abkehr vom anderen, weshalb es auch hier kein reines Schwarz und Weiß geben kann, auch wenn dies das Nachdenken und die Entscheidungsfindung erleichterte. Zur gefühlten Heimat hat Beate in ihrem Brief schon viele Gesichtspunkte in hervorragender Weise genannt. Dem kann ich mich nur anschließen.

Deshalb würde die „Integration“ im propagierten Sinn für unsere Mitchristen nichts anderes bedeuten als ihre Gemeindeauflösung und Identitätsaufgabe zu verlangen!

Ich denke an folgendes fiktive Szenario: Unser Bistum geht aus finanziellen Zwängen dazu über, in den neu errichteten Verantwortungsgemeinschaften die Filialkirchen zu säkularisieren und zu verkaufen (es gibt Bistümer, in denen es keine bloße Fiktion mehr ist)….  Paulus springt ein und bietet uns an, dass wir uns in deren Gemeindeleben „integrieren“ dürfen. Wir dürfen dort einen katholischen Gottesdienst halten – aber nur in „Lücken“, in denen in Paulus gerade kein anderes Programm läuft. Küchen- und WC-Mitbenutzung ja, aber ja keinen Krümel hinterlassen. Kein Tabernakel, keine Marienstatue, keine Kerzen außerhalb des Altars, kein Weihwasser, keine gewohnte Sprache, nur die altmodische Luther-Bibelsprache, keine Räume und Zeiten für eigene Treffen und Gruppen.

Übertrieben? Nein! Denn genau das ist es, was diejenigen unter uns, die einer Integration in unsere Gemeinde das Wort reden, den St. Severus-Christen eigentlich zumuten. Christlich brüderlich handeln geht nach meinem Verständnis aber deutlich anders.

Jenseits aller Absurditäten und Haarspaltereien geht es doch im Kern genau um die möglicherweise etwas unbequeme, damit meine ich für das eigene christliche Gewissen unbequeme, Frage: Bin ich als Christ oder sind wir als christliche Gemeinde, noch dazu mit dem Heiligen Martin als Namenspatron, zum Teilen mit unseren syrisch-orthodoxen Mitschwestern und -brüdern bereit?

Wobei: Anders als unser Namenspatron müssen wir nicht die Hälfte unserer wärmenden, schützenden Hülle abgeben, sondern nur eine Ecke unseres völlig unstreitig viel zu großen Grundstücks, ohne dass wesentliche Grundstücksteile wie Kirche, Pfarrsaal, Wohnungen, Gruppenzimmer, Garage oder Zufahrten auch nur am Rande betroffen wären. Umso weniger kann ich die rigorose, fast feindselige Antihaltung der Projektgegner nachvollziehen. „Wir haben nichts zu verschenken“, soll dem Vernehmen nach geäußert worden sein. Wirklich nicht?

Wie wäre es – außer der Grundstücksfrage – mit Empathie, mit echter Zuwendung und Aufmerksamkeit für das Anliegen unserer Brüder und Schwestern, die in ihrer Heimat ihres Glaubens wegen verfolgt und zu Hunderten getötet worden sind? Wie mit einem ehrlichen Eingehen auf ihre Sachargumente? Stattdessen bekommen sie, unmittelbar nachdem Haya Ghassali ihr Plädoyer gehalten hat, Bodenrichtwerte um die Ohren gehauen, ohne auch nur mit einer einzigen Silbe auf ihre Worte einzugehen? Wer hat diese Menschen aus unserer Gemeinde so scharf gemacht oder was hat sie so engstirnig und verbittert werden lassen? Wovor haben sie derart Angst?

Das macht mich betroffen, dieser Umgang mit unseren Brüdern und Schwestern beschämt mich sehr. Dazu in einem anderen Brief lesen zu müssen, es hätte von Respekt gezeugt, vorab eine „Informationsveranstaltung ohne die Syrer“ abzuhalten, klingt in meinen Ohren fast wie Hohn, scheint aber tatsächlich ernsthaft vertreten zu werden („In Abwesenheit zum Tod verurteilt…“).

Der Unwille, die Ecke der Wiese unter dem Marktpreis abzugeben, im konkreten Fall für einen Sakralbau zu verschenken, ist für mich umso weniger nachvollzieh-bar als nach meinen Informationen unsere Gemeinde seinerzeit nicht nur diese Ecke, sondern das komplette Grundstück nebst aufstehenden Gebäuden und der Kirche aus dem Westen, vom Bonifatiuswerk, geschenkt bekommen hat. Die wenigen sauren Wiesen in Schmochtitz, welche die Kirche seinerzeit dafür der damaligen Staatsmacht abgeben musste, haben unsere Gemeinde in keiner Weise betroffen. Aber was man seinerzeit in einer Notsituation geschenkt bekommen hat, muss man moralisch wohl nicht Jahrzehnte später mit gleicher Elle messen, wenn andere Mitchristen unverschuldet in einer Notsituation sind? Wir sollten nicht zulassen, dass die Ungeister namens Egoismus und Geiz die Oberhand gewinnen!

Sehr geehrte Damen und Herren des Pfarrgemeinderates, kommen Sie Ihrer Aufgabe als einziges demokratisch gewähltes Organ der Gemeinde nach und handeln Sie nach Ihrem christlichen Gewissen. Lassen Sie sich nicht die Deutungshoheit darüber aus der Hand nehmen, was „die Gemeinde“ angeblich nicht will oder doch will. „Die Gemeinde“ sind jedenfalls nicht nur die lautesten Rufer und massivsten Gegner oder die, welche jetzt heftig „Basisdemokratie“ in dieser einen Frage einfordern, sich sonst aber kein bisschen um die Belange der Gemeinde kümmern. „Die Gemeinde“ sind auch die stillen Betrachter, die ob der unfreundlichen Kommentare fassungslosen Befürworter und die von uns so schlecht behandelten syrisch-orthodoxen Mitchristen. Lassen Sie nicht die Angst vor persönlichen Anfeindungen die Oberhand gewinnen, sondern lassen Sie uns miteinander überlegen, was denn unser aller Herr Jesus Christus in dieser Situation gemacht hätte.

Zuletzt ein Appell an unseren Pfarrer: Nicht nur ich vermisse in dieser schwierigen Situation ein klares Wort unseres Hirten, der letztlich diese Frage wird entscheiden müssen; der Pfarrgemeinderat kann satzungsgemäß nur unverbindlich pastoral beratend tätig sein. Flammende Predigten „ex Cathedra“ zu halten ist das eine – aussagepsychologisch wesentlich einfacher als im Dialog von Mensch zu Mensch seine in der Predigt geäußerte Meinung zu bestätigen. Dabei wäre „klare Kante“ mehr denn je notwendig.

#09
Ulrike Hoffmann geb. Weber, ehemaliges Gemeindemitglied in St. Martin: „Geben Sie Ihren Wunsch nach einer eigenen Kirche nicht auf.“

Liebe syrische Gemeinde, lieber Bruder Andreas,

nach dem Gemeindeabend vom 1. Februar habe ich das dringende Bedürfnis, Ihnen diesen Brief zu schreiben.

Ich war lange Jahre aktives Gemeindemitglied in St. Martin, als Kind und Jugendliche und auch als junge Erwachsene. Im Zuge meines Studiums wurde der Kontakt lockerer, inzwischen lebe ich mit meiner eigenen kleinen Familie in Schleswig-Holstein, habe jedoch durch meine Familie immer noch einen Bezug nach Grünau. Bei einem zufälligen Besuch des Sonntagsgottesdiensts bin ich in die Diskussion über einen möglichen Kirchenneubau hineingeraten und habe mich sofort entschieden, am Gemeindeabend teilzunehmen. Was ich dort erlebt habe, entsetzt mich. Ich schäme mich zutiefst für Formulierungen und Aussagen, die hier getroffen wurden bzw. Ihnen entgegengebracht worden sind. Es ist meine tiefste Überzeugung als Christin, zu helfen, wenn ich es nur irgendwo kann und das ohne jegliche Einschränkung. Was ich hier (als Außenstehende) wahrgenommen habe, ist teilweise extrem rassistisch gewesen, aber auch machtpolitisches und auf Profit ausgerichtetes Denken, das ich in dieser Ausprägung in einer christlichen Gemeinde nicht für möglich gehalten hätte.

Ein drittes Kirchengebäude mitten in Leipzig-Grünau wäre in meinen Augen nicht nur der für Sie so sehnlichst herbeigesehnte Ort des Ankommens, sondern für alle eine Bereicherung der Ökumene, gelebte Nächstenliebe und gelungene Integration. Ich kann Bedenken auf Grund der vorhandenen Probleme in Grünau durchaus verstehen, aber eine Gesellschaft verändert sich nur durch aktives Handeln und die Bereitschaft für die eigene Überzeugung einzustehen. Unsere christliche Überzeugung ist für mich Nächstenliebe und als ehemaliges Mitglied von St. Martin eben auch das Teilen.

Ich selbst habe Theologie, Politik und Geschichte studiert, ich brenne für Ökumene, aber ich möchte auch die Eigenständigkeit jeder einzelnen Glaubensrichtung gewahrt wissen.

Lieber Bruder Andreas, liebe Haya, Sie haben immer wieder genau auf diesen Punkt hingewiesen. Haya, Sie haben mehrfach ganz deutlich gesagt, was Integration bedeutet – es geht um ein gegenseitiges Aufeinander-zu-Gehen. Ein eigenes Gebäude ist eben keine Abgrenzung, sondern notwendig für Ihre Gemeindearbeit und damit Grundlage von Ökumene und Integration. Aber ich hatte leider das Gefühl, dass viele Gemeindemitglieder Sie nicht verstehen wollten. Ich habe immer wieder vernommen, die Syrer seien in der Pflicht sich zu zeigen und etwas zu tun, bei diesen Aussagen habe ich an Assimilation gedacht und nicht an Integration. Kulturreichtum ist für mich wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Bewahren Sie alle Ihre Kultur und Ihren Glauben, und geben Sie Ihren Wunsch nach einer eigenen Kirche nicht auf. Auch wenn ich nach diesem Abend leider sehr pessimistisch auf die Umsetzung einer tollen Idee blicke. Ich bin sehr froh, dass es auch sehr reflektierte und positive Argumente heute Abend gab, sowohl Hrn. Fitzl wie auch Hrn. Bock möchte ich mich voll und ganz anschließen. Leider glaube ich, dass diese Sichtweise von vielen nicht gehört werden wollte.

Liebe Haya, was mich am meisten erschreckt hat, waren Ihre persönlichen Worte, Ihre Angst, sonntags in St. Martin den Gottesdienst zu besuchen, auf Grund der Fragen, Blicke und Kommentare. Sie waren einmal ein aktives Mitglied dieser Gemeinde, haben sich an verschiedensten Stellen aktiv eingebracht und das wird heute anscheinend von vielen vergessen. Hier überwiegt eine unbegründete Angst, es werden fadenscheinige Argumente vorgeschoben, aber Sie persönlich und alle anderen Mitglieder Ihrer Gemeinde werden nicht mehr als Brüder und Schwestern betrachtet. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Ich hoffe zumindest, dass wieder eine Zeit kommen wird, in der auch Sie wieder gern in St. Martin einen Sonntagsgottesdienst besuchen werden.Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe sehr, dass Sie den passenden Ort für Ihr Kirchengebäude schnell finden werden. Ich bin neugierig, wie diese Kirche aussehen wird und werde sie mir dann bestimmt auch ansehen.

#10
Brigitte Dohmen, Gemeindemitglied in St. Martin: „In unseren Räumen werden sie immer nur (hoffentlich!) gern gesehene Gäste sein können.“

Liebe Mitglieder des Pfarrgemeinderates von St. Martin,

die Gemeindeversammlung in der zurückliegenden Woche hat mir gezeigt, wie kontrovers und hitzig in unserer Gemeinde über dieses Thema gestritten wird. In dieser emotional sehr aufgeladenen Atmosphäre war eine ruhige und sachliche Diskussion leider nicht gegeben.

Ich befürworte die Entscheidung unseres PGR, das Bauvorhaben der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Severus zu unterstützen, vollumfänglich.

Ein eigenes Kirchengebäude mit einem syrisch-orthodoxen Pfarrer bietet doch unseren Brüdern und Schwestern die Möglichkeit, nach den schrecklichen zurückliegenden Jahren wieder ein richtiges Zuhause aufbauen zu können. In unseren Räumen werden sie immer nur (hoffentlich!) gern gesehene Gäste und nicht gleichberechtigte Mitglieder sein können. Ein eigenes Zuhause schaffen zu können ist für mich gelebte Integration.

Die angesprochene gute christliche Ökumene von St. Paulus und St. Martin könnte für die Brüder und Schwestern der syrisch-orthodoxen Gemeinde ein tragendes christliches Fundament bilden und die gesamte Ökumene stärken.

Wir sollten uns nicht von unseren Bedenken oder gar Ängsten lenken lassen. Wir sollten mit Gottvertrauen und Zuversicht die heutigen erforderlichen Veränderungen im Sinne der christlichen Nächstenliebe mit gestalten.

Herzliche Grüße & ein großes Dankeschön für Ihre Arbeit im PGR.

#11
Birgit und Wolfgang Jahn, Gemeindemitglieder von St. Martin: „Es wird nichts bleiben wie es ist.“

„Mauern aus Beton in Leipzig – Grünau und wir streiten uns um ein Stück grüne Wiese.“

Es wird nichts bleiben wie es ist. Fangen wir doch endlich an, unsere gedanklichen Betonmauern aufzubrechen und ein neues Miteinander zu wagen.

Wir waren bestürzt und gelähmt von den festgefahrenen Meinungen am Gemeindeabend. Mutig ist die ehrliche, sehr konkrete Rückmeldung der syrischen Gemeinde , die uns auffordern muss, als Gemeinde doch endlich aufzuwachen. Wichtig ist doch, uns auf Augenhöhe zu begegnen und gemeinsame Ideen und Möglichkeiten zu suchen und zu leben. Wir Christen haben ein gemeinsames Fundament und Sicherheiten, uns zu verändern. Die Notwendigkeit dazu ist dringend gegeben. Wir unterstützen die Ideen und Visionen der syrischen Gemeinde trotz aller Kritik und Schwierigkeiten.

#12
Luise Joseph, Gemeindemitglied von St. Martin: „Ich wünsche mir, dass es einen zweiten Gemeindeabend gibt, denn der erste schien ja vor allem zum Luft ablassen gebraucht.“

Ich bin mit sehr niedrigen Erwartungen in den Gemeindeabend gekommen und war leider trotzdem enttäuscht. Enttäuscht war ich vor allem vom Ton, der in der Diskussion herrschte und davon, wie wenig Verständnis darüber herrschst, dass der Neubau einer syrisch-orthodoxen (christlichen!) Kapelle auch eine große Chance für alle ist.

Es ist sehr schade, dass unser eigener Reichtum und der Wille, sich gegenüber anderen Gemeinde zu behaupten, so vordergründig sind. Ich glaube, dass wir alle sehr viel gewinnen können, wenn wir uns auf eine dritte Partei in der Grünauer Ökumene einlassen. In der syrisch-orthodoxen Gemeinde sind sehr viele junge Menschen, die aktiv das Gemeindeleben gestalten. Unser Gelände kann dadurch wieder belebter werden. Viele Aufgaben können wir uns in Zukunft so vielleicht teilen, denn wenn wir alle ein Gelände nutzen, wollen wir auch alle im Winter freie Wege und im Sommer kein zu hohes Gras. Wir können durch die lange Tradition innerhalb der syrisch-orthodoxen Kirche womöglich auch viel über unsere Glaubenswurzeln lernen.

Es ist eine Tatsache, dass viele Menschen in Grünau mit rechten Parteien sympathisieren und diese auch wählen. Doch die beiden Kirchen St. Martin und Paulus sind etabliert im Stadtteil, und wie viele dieser Menschen wären tatsächlich, bereit gewaltsam vorzugehen? An welchem Ort könnten wir als Schwestern und Brüder besser zusammenstehen als auf einer Wiese, und zeigen: Schaut, wir kommen zum Teil aus unterschiedlichen Teilen der Erde (so wie die Gläubigen in St. Martin sowieso) und wir sind hier in Gemeinschaft.

Mit Aufwand wäre es vermutlich möglich, dass beide Gemeinden das bestehende Gebäude nutzen. Trotzdem würde dabei oft eine der beiden Gemeinden zu kurz kommen. Wie viele von uns sind bereit, auf den katholischen Sonntagsgottesdienst zu verzichten, und zwar ohne Murren (denn auch im syrisch-orthodoxen Glauben gibt es das Sonntagsgebot)?
Würden Sie zustimmen, wenn bauliche Veränderungen im Kirchraum/Altarraum vorgenommen werden würden, damit sich beide Gemeinden gleichermaßen wohl und heimisch während ihrer Gottesdienste fühlen können?

Ich habe mich gefragt, wann ich zuletzt in besagter südwestlicher Ecke des Grundstückes war. Ich vermute, dass es etwa 5 Jahre her sein muss und ich frage mich, wie viele der Menschen, die so vehement genau für diese Ecke der Wiese einstehen, tatsächlich in letzter Zeit dort waren. In dieser Ecke steht kein Stand zur Gemeindeneugründung, dort fand nie ein Fußballspiel statt, die RKW-Kinder wurden stets nach vorne geholt, damit keiner heimlich auf den Baum steigt, und zum Versteckespielen gibt es auch noch unzählige weitere Orte auf dem Gelände.

Der Neubau und unser „JA“ als Gemeinde ermöglicht Menschen eine Heimat und nicht nur ein Gast-Sein. Sowie das Schaffen von eigenen Angeboten und Strukturen und nicht nur ein Einpassen in die Zeitpläne anderer. Er ermöglicht uns ein klares Zeichen gegen rechte Tendenzen in unserer Gesellschaft und ein Bekenntnis zu unserem christlichen Glauben in Nächstenliebe und Gemeinschaft zu sein, zu teilen was wir haben und dadurch voneinander etwas zu gewinnen.

#13
Gisela und Anton Weber, Gemeindemitglieder von St. Martin: „Nehmen wir unser eigenes Krippenspiel ernst oder verschönert es nur unser Weihnachtsfest?“

Sehr geehrte Damen und Herren des Pfarrgemeinderates,
liebe Gemeinde von St. Martin!

Die Diskussionen der letzten Wochen um eine eigene Kirche der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Severus in Leipzig-Grünau haben sich sicher in fast allen Familien fortgesetzt. Auch wir wollen noch einen Gedanken zu den vielen genannten guten Gründen für das Projekt hinzufügen.

Mindestens zweimal im Jahr haben unsere Gottesdienste eine große Außenwirkung. Einmal ist es unsere Martinsandacht mit dem Umzug von unserer Kirche zum Kindergarten. Wir zeigen, wie mutig der Soldat Martin seinen Soldatenmantel mit dem Bettler geteilt hat. Er hat Not gesehen, nicht nach Konsequenzen gefragt und sofort geholfen. Wenn unser Martinsspiel den Menschen in Grünau gelebtes Christsein zeigen und keine Folkloreveranstaltung darstellen soll, dann müssen wir jetzt und sofort helfen.

Das andere Mal ist es unser jährlich gut besuchtes Krippenspiel. Maria und Josef kommen als Flüchtlinge nach Bethlehem und brauchen eine Unterkunft. Alle machen ihre Türen zu, es könnte ja Ärger und Unruhe geben, einer aber stellt seinen Stall zur Verfügung. Es ist nicht die beste Lösung, sondern es ist Hilfe im letzten Moment. Gottes Geschenk, sein Sohn, hat bei der Geburt ein Dach über dem Kopf. Und im Nachhinein wird sich der eine oder andere Bewohner von Bethlehem geärgert haben, Maria und Josef kein Zimmer angeboten zu haben. Wissen wir, wen wir ablehnen und wem wir nicht die Tür öffnen wollen? Nehmen wir unser eigenes Krippenspiel ernst oder verschönert es nur unser Weihnachtsfest?

Was ist unser Auftrag?

Allen Verantwortlichen weiterhin Mut, Kraft und Durchhaltevermögen für „die Sache“, gelebtes Christentum, einzustehen.

#14
Anika Rupprecht, Gemeindemitglied von St. Martin: Liebe Mitglieder des Pfarrgemeinderates, liebe Gemeinde,

ich habe einige inspirierende Leserbriefe bis jetzt gelesen und möchte, da ich zum Gemeindeabend nicht da sein konnte, auch meine Meinung äußern.
Ich befürworte den Bau einer eigenen Kirche für die syrisch-orthodoxe Gemeinde St. Severus.
Ich finde wir sollten uns nicht nur Christen nennen und sonntags den Gottesdienst besuchen, sondern das “Christ-Sein“ auch leben. In der heutigen Zeit rückt dies durch Konsum, den vielen Möglichkeiten sein Leben frei zu gestalten und einem gewissen grundlegenden Reichtum in unserer Gesellschaft immer mehr in den Hintergrund. Ich denke, dass das Teilen des Grundstücks ein Beweis für unseren christlichen Glauben und auch ein Vorbild für viele Andere sein kann. Und nicht nur das, wir können einer ganzen Gemeinde ein echtes zu Hause schenken und müssen dabei auf nichts verzichten. Ich finde alleine diese Punkte sind eine Befürwortung wert.
Ich kann einige Ängste und Argumente nachvollziehen und denke, dass es vielleicht gut wäre, im Vorfeld gemeinsame Absprachen für einige Punkte zu treffen. Alles in allem sehe ich eine große Chance für unsere Gemeinde im Bau einer syrisch-orthodoxen Kirche.

Liebe Grüße
Anika Rupprecht

P.S.: Ich besuche die heiß diskutierte Ecke hinter dem Erdhügel ab und zu zum Verstecken – Spielen in unseren Ministunden und kann sagen, dass ich diese Ecke sehr selten in einer anderen Benutzung als zu diesem Zweck gesehen habe. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass sich ganz neue wunderbare Versteckmöglichkeiten mit dem Neubau ergeben werden. ??

#15
Peter Kochalski, ehemaliges PGR – Mitglied von St. Martin: „helfen JA, Kirchenneubau in St. Martin NEIN!“

Nachdem die Emotionen in der Gemeinde hohe Wellen schlagen, sollte man sich langsam wieder auf das wesentliche konzentrieren.
Wem es vielleicht noch nicht aufgefallen sein sollte, die Gemeinde ist gerade dabei sich zu spalten.

Die Behauptung, die Gemeinde würde nicht helfen, ist gelogen und ein Schlag ins Gesicht der vielen Ehrenamtlichen die in der Ausländerbetreuung tätig sind.

Zurück zu den Fakten:

  • Die Gemeinde St. Martin ist sehr wohl bereit zu helfen, die eigene Kirche, ihre Räume, das Gelände und die Kirche in Markranstädt. Es wird bis jetzt nur zögerlich angenommen und teilweise abgelehnt, unsere Gemeinde akzeptiert dieses „NEIN“
  • Die Kirche in Markranstädt mit dem ganzen Gelände (ca. 2000 m²) zum symbolischen Preis angeboten, Bauvoranfrage in Markranstädt war positiv, Investitionen im 6-stelligen Bereich geplant, das Vorhaben wurde aber auf Grund von Bedenken von Ausländerfeindlichkeit abgelehnt, unsere Gemeinde akzeptiert dieses „NEIN“
  • Bauvoranfrage für das Gelände in St. Martin wurde beim Stadtplanungsamt Leipzig gestellt, geplant ist eine Kirche mit Nebengebäude, Mitnutzung des gesamten Geländes und unserer Räume, sowie der Parkplätze, das Schreiben vom 21.08.2018 liegt dem PGR vor, Abgabe des Geländes zu 0,- €
  • Bei der Besprechung im Stadtplanungsamtes am 06.11.2018 war kein Vertreter des PGR oder des Kirchenrates eingeladen, es gibt kein offizielles Protokoll darüber, nur ein schriftliches Planungsprotokoll des Architekten, das Schreiben liegt dem PGR vor, in dem Schreiben wird von der Stadt empfohlen auf dem Hügel nicht zu bauen, sondern wenn überhaupt nur vorn am Kolpingweg/Wilsnacker Straße. Im Gesamtergebnis wird empfohlen die Bauvoranfrage zurück zu ziehen. Was in der Zwischenzeit auch erfolgt ist. Die Befürworter des Kirchenneubaues akzeptieren dieses „NEIN“ nicht.
  • Die Bedenken der Ausländerfeindlichkeit, die in Markranstädt der Grund für den Rückzug waren, spielen hier in Grünau plötzlich keine Rolle mehr.
  • Es gibt kein pastorales Gesamtkonzept für unsere Gemeinde, geschweige denn für den gesamten Leipziger Westen. Es sollten sich die Gemeinden von St. Martin, von Liebfrauen, die Filialkirchen, die Paulusgemeinde, unsere Kindertagesstätten und die Syrisch-orthodoxe Gemeinde an einen Tisch setzen und über ein gemeinsames Konzept für den Leipziger Westen nach denken. Wofür steht unsere Gemeinde? Was sind unsere Aufgaben hier im Leipziger Westen? Wie kann man unseren Glauben in die Öffentlichkeit hinein tragen? Ist es besser unser Grundstück für eine dritte Kirche zu nutzen, oder vielleicht doch besser über ein soziales Projekt nach zu denken?
  • Mein Vorschlag: lasst uns das Projekt Markranstädt noch mal überdenken. Man sollte anfangen die Wohnung zu renovieren. Büros können eingerichtet werden, die Kinder- und Jugendarbeit könnte in dem vorhandenen Saal beginnen, im Garten könnte ein Zelt (nur im Sommer) als Überbrückung zur zusätzlichen Saalfläche dienen (je nachdem wie viele Mitglieder kommen), es wird sich zeigen wie die Bevölkerung die neuen Mitglieder in der Gemeinde aufnimmt, die syrische Gemeinde hätte überschaubare Kosten. Man muss es nur wollen.

Um mit den Worten unseres Pfarrgemeinderates zu schließen: Lasst es uns doch wenigstens versuchen, allerdings in Markranstädt!

#16
Dipl.-Ing. Walter Beinroth, 04207 Leipzig, Wilsnacker Str.12: “Ich bin evangelischer Christ, Anwohner und war am Gemeindeabend am 01.02. anwesend.”

Meine Beobachtungen, meine Meinung und ein Fazit:

  • Der PGR hat seine Kompetenzen überschritten und das Problem (ohne die Gemeinde mitzunehmen) miserabel gemanagt.
  • Eine eigene Meinung des Pfarrers war nicht erkennbar.
  • Die Teilnahme der syrisch-orthodoxen Christen war für die offene Meinungsbildung kontraproduktiv.
  • Die Protagonisten ” Pro Kirchneubau ” haben durch Emotionen, Halbwahrheiten und unsachliche Zwischenrufe versucht, eine Meinung in ihrem Sinne in die Gemeinde zu projezieren.
  • Die Protagonisten ” Contra Kirchneubau” haben in sechs unterschiedlichen Redebeiträgen sachlich und emotional ihre Meinung differenziert dargelegt. Diese ehrlichen Meinungsäußerungen wurden mit Applaus honoriert.

Fazit:
Die syrisch-orthodoxen Christen sind in der katholischen Gemeinde St. Martin willkommen, die Kirche und Räumlichkeiten zu nutzen .Es muss möglich sein, dies so zu organisieren, dass sie ihren Gottesdienst und andere Veranstaltungen durchführen können.
Ein Kennenlernen kann dadurch stattfinden.
Die reibungslose Organisation ist eine Aufgabe für den PGR.

Noch zwei persönliche Anmerkungen:
Es ist mir bekannt, dass die syrisch-orthodoxe Amtskirche die Taufe der evangelischen Kirche nicht anerkennt. Wie soll unter dieser Voraussetzung ein ökumenisches Zusammenleben mit uns evangelischen Christen gestaltet werden?

In verschiedenen Meinungsäußerungen ” Pro Kirchneubau” ist von einer Kapelle oder kleinen Kirche die Rede. Die veröffentlichte Skizze dazu zeigt eine Grundfläche von ca. 450 Quadratmetern.

Wer sich davon eine körperliche Vorstellung machen möchte, sollte sich in der Wilsnacker Str. 7 einen Neubau anschauen. Dieser Neubau nimmt eine Grundfläche von 250 Quadratmetern ein.