Kolumne zum vorösterlichen Kirchenputz

Das Lied „Wir sind nur Gast auf Erden..“ (GL 505) gehört wohl mit zu den bekanntesten Gotteslobliedern. Bekanntlich kommt der Gast, setzt sich an den gemachten Tisch, speist und genießt, und geht dann mehr oder weniger zufrieden nach Hause. Und wenn alle Gäste das Haus verlassen haben, beginnen die Gastgeber mit den Aufräum-und Reinigungsarbeiten.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich fast niemand angesprochen fühlt, wenn einmal jährlich eine Kirchenreinigung angesetzt ist. Gelassen können wir auf das auf das Lied 505 verweisen, welches uns einen Gaststatus bescheinigt. Da hat Gott als Gastgeber keine guten Karten, dass er freiwillige Reinigungskräfte aus den Reihen der Gottesdienstteilnehmer erwarten kann.
Erschwerend kommt ja hinzu, dass Ostern, das Fest der Auferstehung, in den Frühling fällt, wo alle mit dem Frühjahrsputz beschäftigt sind. Das kostet zusätzliche Kraft. Aus diesem Blickwinkel betrachtet wäre es besser gewesen, wenn das Osterfest nicht im Frühjahr, sondern im Mai oder Juni oder November stattfinden würde. Da wären die Mühen des Frühjahrsputzes vergessen, und evtl. die Sehnsucht nach Besen, Wischeimer und Staubtuch wieder spürbar gewesen.
Bei der Festlegung der Auferstehung seines Sohnes hat Gott diese entscheidenden Fakten als Grundlage sauberer Kirchen für die jährliche besondere Auferstehungsfeier nicht erkannt, oder die Rolle der Frau für das Reinigungswesen auf der Erde fahrlässig unterschätzt. Ausbaden muss das jährlich eine kleine Schar Gläubiger, die Gott und der Kirche die schlechte Terminierung des Osterfestes verziehen haben und die Reinigung vollziehen.
Seltsamerweise sagen sie nicht: das ist Gottes Haus, sondern meinen : das ist auch unser Haus.
Aber Vorsicht: Das ist ein verführerischer Gedanke. Der beinhaltet nämlich den Wechsel vom Gaststatus in den Gastgeberstatus. Der führt zur Übernahme von Verantwortung.
Wobei: Gastgeber sein zu dürfen, ist etwas wunderbares . Gäste zu erwarten ist eines der schönsten Dinge im Leben. Das haben wir ja schon alle erlebt.
Vielleicht sollten wir am Sonntag Morgen nicht sagen: „Wir gehen in die Kirche“, sondern „Wir gehen in unsere Kirche“. Vielleicht fällt es uns dann leichter, einmal im Jahr 2-3 Stunden, nicht mit dem Gotteslob, sondern mit dem Staubtuch und Wischeimer in die Kirche einzuziehen.
Es gibt Stimmen, wonach Gott auch Staubtücher und Wischeimer den Status eines Gebetbuches zuerkennt.
Nun noch ein kleiner Tipp unter Männern: Gott betrachtet die Qualität der Reinigungsleistung mit anderen Augen als die eigene Ehefrau zu Hause.
So wünsche ich allen ein frohes Osterfest und vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr zum Reinemachen in unserer Kirche.

Andreas Pilz